Interview mit Elmar Sautter von disana

27 / May 2017

Logo disana

LISCHKA: Herzlich Willkommen Herr Sautter. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

SAUTTER: Gerne.

LISCHKA:: Vielleicht können Sie zu Beginn kurz erzählen: Was ist disana und was macht disana?


"wir machen vom Garn bis zum vertriebsfertigen Artikel alles selbst"


SAUTTER: disana ist in erster Linie mal ein deutsches Textilunternehmen. Wenn wir es genauer betrachten, sind wir ein mehrstufiger Textilbetrieb, d.h. wir machen vom Garn bis zum vertriebsfertigen Artikel alles selbst. Wir produzieren hauptsächlich Kleidung für Babys und Kleinkinder, aber auch schöne Decken und Schlafsäckchen. Das ist unsere Passion.

LISCHKA: Vielen Dank. Jetzt weiss ich, dass disana eine GmbH ist. Es gibt zwei Geschäftsführer, Sie und Ihre Schwester. Kann man sagen, disana ist ein Familienunternehmen?

SAUTTER: disana ist 100%ig ein Familienunternehmen. Gegründet wurde es schon vor einigen Jahrzehnten von unseren Eltern. Jetzt haben wir, die zweite Generation, es übernommen. Die Familie spielt bei uns eine große Rolle und daher sind wir ein klassisches, schwäbisches Familienunternehmen.

Familie Sautter
Familie Sautter von links nach rechts: Aigar Sautter, Imma Sautter, Elmar Sautter, Dietrich Sautter

LISCHKA: In der Vorbereitung habe ich gelesen, dass disana im Jahr 1982 gegründet wurde. Wie kamen Ihre Eltern damals auf die Idee, Babykleidung aus Schurwolle auf der Schwäbischen Alb zu machen? War es damals überhaupt schon Schurwollbekleidung?


"jeder – oder fast jeder – hatte eine Strickmaschine in der Garage stehen"


SAUTTER: Damals war es noch keine Schurwollbekleidung – wir haben uns damals eher mit waschbaren Windeln beschäftigt. Die waren aus Baumwolle gemacht. Wie sind meine Eltern auf die Idee gekommen? Nun, mein Vater kommt aus der Textilindustrie und hat das als junger Bursche nach der Schule gelernt. Danach ging er in einen Textilbetrieb, um dort zu arbeiten. So hat er als erstes die Spinnerei kennengelernt und dann Stricken an Industriestrickmaschinen.

Zu der Zeit, als meine Eltern mit der Firma begannen, war es auf der Schwäbischen Alb üblich, dass jeder – oder fast jeder – eine Strickmaschine in der Garage stehen hatte und im Lohnauftrag für eine grössere Firma Strickteile herstellte. Das war eigentlich der Start für unser Unternehmen.

LISCHKA: Sie haben gesagt, dass Ihre Eltern in der Garage begonnen haben – können Sie sich noch erinnern, wie das damals war?

SAUTTER: Ja klar, die Garage war bei uns immer der Produktionsort für unsere Eltern. Da standen am Anfang zwei und irgendwann mal sechs Strickmaschinen. Meine Mutter hat die erste Ware dort verpackt. Damals war der Packtisch noch einfach der Restmülleimer, bei dem auf den Deckel eine Platte draufgeschraubt wurde und das war dann ihre Arbeitsfläche. Für beides – also Packtisch und Mülleimer – gab es damals einfach keinen Platz, also musste man es zusammenführen. Ich erinnere mich auch noch daran, dass meine Mama immer fürchterlich gefroren hat, weil die Garage nicht isoliert war. Und irgendwann habe ich mal zusammen mit einem Freund ein paar Styroporplatten gekauft, um damit die Garage zu isolieren, damit die Mama nicht mehr so viel frieren musste.

Elmar Sautter in der GarageImma Sautter in der Garagedie ersten Strickmaschinen bei disana
Eindrücke von der ersten Produktionsstätte von disana - die Garage im Haus

Eine ganz starke Erinnerung habe ich auch noch. Wir haben so eine ganz kleine Maschine bei uns in der Halle, die immer noch funktioniert. Diese strickt die Bänder für unsere Windeln und macht dabei immer Klack-Klack. Das hörte man damals durch das ganze Haus. Wir Kinder sind eigentlich nur eingeschlafen, wenn wir dieses Klack-Klack im Ohr hatten. Als die Firma dann aus der Garage ausgezogen war, waren die erste Nächte ohne Klack-Klack sehr hart (lacht).


"Die Firma war zwar vorher immer schon da, aber ich habe ihr einfach keine große Beachtung geschenkt."


LISCHKA: Jetzt könnte man ja vielleicht meinen, dass Sie froh waren, als Sie dann erwachsen waren und von der Firma erstmal weg. Aber nein, heute sind Sie einer der beiden Geschäftsführer von disana. Wann haben Sie sich dazu entschieden, einzusteigen?

SAUTTER: Die Entscheidung kam eigentlich erst Anfang der 90er Jahre. Ich habe erstmal einen ganz anderen Beruf gelernt und habe in dem Beruf dann die Liebe zur Betriebswirtschaft entdeckt. Ein bisschen Rechnen und Kalkulieren – das war immer schön. Irgendwann sind meine Eltern auf mich zugekommen und haben gesagt, dass die Firma ganz gut liefe. Ich muss zugeben, dass ich mich damals das erste Mal auch für die Firma interessiert habe. Die war zwar vorher immer schon da, aber ich habe ihr einfach keine große Beachtung geschenkt. Als ich mich dann mal genauer mit der Firma beschäftigte, wurde mir es klar: Ob ich jetzt wie in meinem gelernten Beruf den Preis von Geranien kalkuliere oder den für Strickwindeln und Babydecken, ist egal. Die Technik ist die gleiche. Außerdem war der Gartenbau zu dem Zeitpunkt immer schlecht bezahlt. Also dachte ich mir: steig ich mal bei den Eltern ein und bin dann Junior Chef. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass der Job genauso schlecht bezahlt ist, da Textil auch keine großen Margen abwirft. Aber so bin ich 1992 in die Firma gekommen.

LISCHKA: Aber Sie haben als „ganz normaler“ Mitarbeiter begonnen und sich erst viel später dazu entschieden, mit Ihrer Schwester die Firma zu übernehmen?

SAUTTER: Die Firma lief bei meinem Eintritt noch als Einzelunternehmen auf meine Mutter. Mutter war der Chef und ich war die Rechte Hand. Ja, ich musste es von der Pike auf erstmal lernen und je nachdem, in welcher Abteilung ich war, hatte ich eine andere Position und andere Aufgaben. Während ich im Büro der Junior Chef war, wurde ich in der Näherei immer „Lehrling“ gerufen. Ich bin einfach reingewachsen und mit der Zeit hat sich abgezeichnet, dass wir irgendwann mal eine Firmennachfolge brauchen. Meine Mutter und ich haben dann entschieden, dass ich mal mit einem gewissen Prozentsatz einsteige. Später bin ich dann zum Geschäftsführer geworden und habe weitere Unternehmensanteile übertragen bekommen. Im Jahr 2003 war es dann soweit, dass auch meine Schwester in das Unternehmen einstieg. Die hat sogar Industriekauffrau gelernt, und das in einem Textilunternehmen. Deshalb ist sie auch mächtig stolz darauf, dass sie die einzige in der Firma ist, die das gelernt hat, was sie macht. Seit 2012 sind wir beide jetzt Inhaber und Geschäftsführer von disana.


"Bis auf das Walken ... werden alle Arbeitsschritte bei uns im Haus ausgeführt."


LISCHKA: Vielen Dank für den kurzen Hintergrund zur Firma. Jetzt kennen viele Leute von Ihnen den Walk Overall – das vermutlich bestverkaufte Produkt von disana. Was viele nicht wissen, ist, wie aufwändig die Produktion dahinter ist. Was braucht es also alles, um einen Walk Overall herzustellen? Können Sie das kurz beschreiben?

disana Walk-Overall 2017
disana Walk Overall in neuem Blau, kombiniert mit neuen Farben

SAUTTER: Also eine Kurzbeschreibung bei einem Walk Overall fällt mir schwer, da in ihm sehr viele Arbeitsschritte drin stecken. Zunächst einmal brauchen wir Wollgarn. Dies hat bei uns noch die Besonderheit, dass es ein weiches Merino-Garn sein muss: Natürlich muss dies auch unsere Ansprüche an eine ökologische Tierhaltung erfüllen.

Wir bekommen das Garn bereits in den richtigen Farben geliefert und stricken damit auf unseren Flachstrickmaschinen dann eine textile Fläche – so heißt das erstmal in einem ersten Schritt. Diese Fläche muss eine spezielle Grösse und ein spezielles Gewicht aufweisen.

Wir geben diese dann in einen Partnerbetrieb, der diese für uns walkt. Walken heißt, dass die Wolle heiss gewaschen und dann noch geschleudert wird. Also genau das, was bitte niemand zu Hause mit seinen Wollsachen machen sollte: heiss waschen und schleudern. Wir machen das absichtlich, aber kontrolliert. In diesem Prozess beginnt der Stoff in der Maschine zu verfilzen. Er schrumpft und verdichtet sich. Die große Kunst besteht darin, den richtigen Moment abzupassen, bevor der Stoff fest und hart wird, denn er soll ja weich und elastisch sein, damit sich die Kinder darin gut bewegen können.

So bekommen wir den Stoff dann wieder gewalkt zurück ins Haus: Er wird bei uns zu Stapeln gelegt, sogenannte Lagen. Es kommen immer 15 Lagen drauf und dann nehmen wir Pappschablonen und zeichnen die Teile für den Overall auf diese Lagen auf. Anschliessend geht das dann unter ein Bandmesser, wobei man sich das als eine Art Bandsäge vorstellen muss. Damit schneiden wir aus dem großen Stoff die Teile aus dem Overall aus.

Von da aus geht’s in die Näherei, wo in 16 verschiedenen Nähschritten der Overall zusammengefügt wird. Es kommen noch einige Extras wie Knöpfe, Innenfutter oder Außenband dazu und irgendwann ist der Overall dann fertig. Natürlich wird dieser abschließend nochmal aufgebügelt und kommt in die Qualitätssicherung, bevor er unser Haus verlässt.

Bis auf das Walken, das wirklich nur etwas für Spezialisten ist, werden alle Arbeitsschritte bei uns im Haus ausgeführt.

Garn das bei disana in den Strickmaschinen verarbeitet wirdEin Blick auf einen Teil der Produktionshalle von disana mit vielen StrickmaschinenSchneidetische und Nähmaschinen bei disana

LISCHKA: Ich finde es sehr beeindruckend, zu hören, wie viele Arbeitsschritte hinter so einem Overall stehen und wie aufwändig die Produktion eigentlich ist. Letztlich unterstreicht das aber die Wertigkeit des Artikels und erklärt auch den Preis. Nun stellt sich ja vielleicht die Frage, wieso verwenden Sie so einen komplexen Walk Stoff und nicht einfach einen fertigen Baumwollstoff mit einer Polyester-Schicht oben drauf? Wieso würden Sie einer Mutter gerade Walk für ihr Baby empfehlen?

SAUTTER: Ich würde ihr erklären, dass wir reine Bio-Schurwolle verwenden. Und diese hat einfach tolle physiologische Eigenschaften: Sie spendet Wärme, sie beruhigt und sie sorgt für ein allgemeines Wohlbefinden. Ein tolles Beispiel für die Verwendung ist zum Beispiel ein teurer Rolls Royce. Wenn Sie so einen kaufen, dann werden Sie sehen, dass die Sitze immer mit einem Wollstoff bezogen sind. Dies weil er eben das Wohlbefinden des Fahrers fördern soll.

Ein Walk-Stoff ist quasi die Essenz aus den positiven Eigenschaften der Wolle. Er ist weich und hat ein sehr großes Volumen. So wird in dem Stoff unheimlich viel Luft gespeichert, die dann isolierend wirkt. Unter einem Walk-Stoff wird es eigentlich nie zu kalt und er ist sogar stark wasserabweisend. Walk hat auch Selbstreinigungseigenschaften und bedarf wirklich nur minimaler Pflege. Wenn also einmal Schmutz draufkommt oder die Kinder im Matsch spielen und der Stoff verdreckt, dann lässt man das einfach trocknen und kann es später ganz einfach abklopfen. Er sieht dann wieder aus wie neu.


"Selbstreinigungskräfte der Wolle sind übrigens kein Hokuspokus"


LISCHKA:: Was kann ich nun machen, wenn dieses Ausklopfen und Ausbürsten aber nicht reicht? Was sind Ihre Geheimtipps zur Pflege des Walk-Materials? Sollte man Walk-Kleidung einfach ins Wollwaschprogramm in die Maschine tun?

SAUTTER: Nein, das sollten Sie nicht tun. Ich habe schon so viele Wollsachen in unserer Waschmaschine ruiniert, dass meine Frau mich da gar nicht mehr ranlässt. Bei Wolle ist es zunächst wichtig zu wissen, dass diese wirklich nur sehr selten gewaschen werden muss. Dies liegt einfach an den Selbstreinigungskräften der Wolle, die übrigens kein Hokuspokus sind, sondern einfach aus ihren ureigenen physikalischen und biologischen Eigenschaften herrühren.

disana WollshampooFalls also doch mal ein Teil gewaschen werden muss, dann empfehle ich das auf jeden Fall per Hand zu tun. Dabei ist es am einfachsten daran zu denken, dass Wolle quasi das Haar der Schafe ist. Also behandeln Sie Wolle so wie ihr eigenes Haar. D.h. keine zu hohen Temperaturen verwenden, keine zu scharfen Waschmittel, kein großes Rubbeln und Wringen. Das Waschwasser sollte handwarm sein (ca. 25°C) und das Waschmittel ein mildes Wollshampoo. Bitte verwenden Sie kein Waschmittel, das nach Frühlingsduft oder Sommerwiese riecht, denn die eignen sich nicht zur Pflege von Bio-Schurwolle. Zum Ausprobieren kann man auch einfach mal mit einem ph-neutralem Baby-Haar-Shampoo starten, denn das funktioniert auch wunderbar. Den Wollartikel sollte man dann ganz leicht im Waschwasser ein paar Mal durchdrücken und verschmutzte Stellen mit extra Wollshampoo und dem Finger ganz leicht einreiben. Anschliessend braucht der Artikel nur noch mit klarem, handwarmen Wasser ausgespült werden. Jetzt ist es ganz wichtig, den Artikel noch im feuchten Zustand wieder in Form zu ziehen und anschließend liegend trocknen zu lassen. So eine Reinigung von einem Walk-Overall dauert nicht länger als sieben bis acht Minuten und ist damit deutlich schneller als eine Wäsche in der Maschine.

LISCHKA: Und wie ist es mit Lanolin? Würden Sie empfehlen, Lanolin in regelmäßigen Abständen zur Pflege zu verwenden?

SAUTTER: Zum Lanolin habe ich eher eine zwiegespaltene Meinung: Bei manchen Artikeln ist Lanolin ganz wichtig, wie z.B. bei Wollwindelhosen. Dazu muss man wissen, dass Lanolin quasi das Wachs der Wolle ist und von Natur aus bereits auf jeder Wollfaser vorhanden ist. Auch in unserer Naturwolle ist ganz viel Lanolin enthalten. Das bekommt man gar nicht mit ein paar Wäschen von der Faser runter. Wenn man aber irgendwann der Meinung ist, dass der Wollartikel sich nicht mehr so weich anfühlt und ein bisschen spröde ist, dann könnte man den Artikel mit ein wenig Lanolin aufpeppen. Dazu empfehle ich eine kleine Blumenspritze mit warmen Wasser und ein wenig Lanolin zu befüllen und damit den Wollartikel zwei bis drei Mal einzusprühen. Dazwischen bitte immer kurz antrocknen lassen, damit sich der Wollwachs-Akku der Wolle langsam wieder aufladen kann. Das Ergebnis wird ein wieder sehr weicher, voluminöser und anschmiegsamer Artikel sein.

Ganz wichtig ist noch zu sagen, dass bei Lanolin weniger mehr ist. Also benutzen sie Lanolin wirklich nur in geringen Mengen, da der Artikel sonst droht, fettig und unangenehm zu werden.


"Walk-Overall ist unser Parade-Artikel und das meistverkaufte Produkt in unserem Programm"


LISCHKA: Das waren ja schon mal wertvolle Tipps für alle Besitzer von disana Walk-Produkten. Jetzt haben wir so viel über den Walk Overall gesprochen, aber wenn Sie mal auf die letzten 5 bis 10 Jahre zurückblicken, was waren denn neben dem Overall die meistgefragten Artikel von disana? Und mich würde auch interessieren, welche Farbe bisher die erfolgreichste war?

SAUTTER: In der Tat ist es so, dass der Walk-Overall unser Parade-Artikel ist und das meistverkaufte Produkt in unserem Programm. Es fällt mir allerdings schwer, andere Artikel aus dem Programm herauszupicken, da unser Anspruch immer war, ein rundes Sortiment anzubieten. Das bedeutet für uns, dass die Artikel gut aufeinander abgestimmt sind und zueinander passen. Wenn ich noch einen Artikel herausstellen müsste, dann unser Wollstrickpullover. Wir haben da z.B. den Basic Pullover, mit dem wir zeigen können, dass ein Wollpullover nicht immer schwer und langweilig sein muss, sondern leicht und modisch. Dabei kann man den Basic-Pullover im Kindergarten oder auch mal an einem kühlen Sommerabend tragen. An diesem Pullover merkt man einfach, wie leicht Wolle auch sein kann.

LISCHKA: Und wie sieht es bei der Farbe aus?

disana in Grau - passt und lässt sich wunderbar kombinierenSAUTTER: Da muss ich Sie leider enttäuschen und auch ich bin da etwas ratlos, denn man sucht sich ja im Vorfeld immer ganz tolle Farben aus und denkt, dass die Farbe jetzt der Renner werden müsste. Tatsächlich ist die meistverkaufte Farbe unser Grau. Allerdings zeichnen sich heute im Vorfeld zur neuen Kollektion, die im Herbst erscheint, zwei neue Farben als Renner ab: Unser Curry-Gelb und unser Rosé, die wir beide neu im Programm haben.

LISCHKA: Natürlich kommen wir gleich noch auf die neue Kollektion zu sprechen, denn wir wollen ja keinem etwas vorenthalten und viele sind schon sehr gespannt darauf. Was viele nicht wissen, dass Sie im letzten Jahr auch große Veränderungen im Unternehmen vorgenommen haben. Sie sind in eine neue und größere Produktionshalle umgezogen. Wir durften diese Halle bereits besichtigen und waren sehr beeindruckt von der Größe. Jetzt stellt sich die Frage, ob Sie in diesem Zuge auch noch andere Dinge im Unternehmen verändert haben? Laut Ihrer Internet-Seite haben Sie 36 Mitarbeiter – haben Sie da vielleicht noch neue Leute eingestellt?

SAUTTER: Ja, wie im Privatbereich auch, ist ein Umzug eines Unternehmens mit sehr vielen Dingen verbunden. Viele Sachen fallen erst auf, wenn der Umzug im Gange ist oder später, wenn er bereits vollzogen ist, und so gab es sehr viel Arbeit. Dieser Umzug im Mai 2016 war für die Firma wirklich ein großer Schritt, denn wir hatten auf einmal nicht nur viel mehr Platz, sondern die Möglichkeit, uns ganz anders zu organisieren und zu strukturieren. So haben wir seit unserem Umzug sechs neue Mitarbeiter für die Produktion gewinnen können. Wir haben jetzt auch bei uns verschiedene Hierarchieebenen eingbaut. Die Vielzahl an Mitarbeitern bedurfte einfach einer Struktur, da man diese nicht mehr aus einer Hand anleiten konnte. Wir haben zusätzlich fünf neue Strickmaschinen und zehn neue Nähmaschinen beschafft und sind damit wirklich in alle Richtungen gewachsen.

Wir lernen jetzt gerade wie es ist, eine kleine Manufaktur in einen Industriebetrieb umzuwandeln. Das ist für uns sehr spannend, aber auch anspruchsvoll.


"zehn neue Farben und Farbmischungen kreiert"


LISCHKA: Jetzt ist disana also viel größer, hat mehr Mitarbeiter und nun kommt in 2017 eine neue Kollektion heraus. Was erwartet die Kunden in 2017?

SAUTTER: Vorallem erwartet alle disana Kunden ein sehr schönes Farbfeuerwerk. Wir haben uns für die neue Kollektion unsere Farben vorgenommen und überarbeitet. So waren die bekannten disana Farben zum Teil seit über acht Jahren im Programm. Nun haben wir uns erstmalig mit dem Farbkonzept beschäftigt. Gemeinsam mit unserer Designerin habe ich mal sehr tiefgehend über Farben und deren Wirkung auf den Betrachter und Träger nachgedacht. Daraus entstand eine komplett neue Farbpalette, die zwar auch bekannte Farben von disana beinhaltet, aber eben auch durch neue Farben ergänzt wird. Teilweise haben wir kleine Nuancen geändert, aber dies mit großer Wirkung. Als wir dann feststellten, dass wir zehn neue Farben und Farbmischungen kreiert hatten, war uns schnell klar, dass wir das so nicht rausbringen können, denn die Auswahl ist viel zu groß. Also haben wir die Farben in drei Farbwelten zusammengefasst. Dabei drückt jede Farbwelt eine Stimmung aus und hebt gewisse Stilelemente hervor.

disana Kollektion 2017 - ein Einblick in die neue Farbwelt

Eine Farbwelt heisst beispielsweise „Modern Nordic“ und beschäftigt sich mit dem skandinavischen Stil. Hier spielen Grau-Antrathazit und eine Kombination von Gelb und Rosé eine große Rolle. Das klingt erstmal wie eine wilde Mischung, sieht aber sehr stylisch und eben nordisch aus. Kopenhagen lässt grüssen. Diese Farbwelt hat bei unseren Händlern zum Beispiel schon sehr großen Anklang gefunden. Die Idee dahinter war, dass die Artikel innerhalb einer Farbwelt miteinander kombiniert werden können. Wir wollen nicht nur eine schöne Walk-Jacke anbieten, sondern eben auch den passenden Pullover drunter oder den Schal oder die Mütze dazu.

Die größere Aufgabe bestand dann noch darin, die drei verschiedenen Farbwelten aufeinander abzustimmen, so dass auch dort Kombinationen möglich sind und der Kunde sich aus einer großen Farbpalette seine Lieblingsstücke heraussuchen kann.

LISCHKA: Neben den neuen Farbwelten hat sich ja auch das Logo von disana geändert. Es sieht jetzt neuer und frischer aus. Was war die Idee dahinter?

disana Logo alt und neu

SAUTTER: Ein Logo ist für ein Unternehmen etwas ganz Wichtiges. Die Corporate Identity wird ja viel nach außen durch das Logo geprägt. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie sich schon zu Beginn der Firma in den 90er Jahren um solche Dinge gekümmert haben. Das hat uns viel Arbeit und Hürden erspart. Mit dem neuen Logo wollen wir zeigen, dass disana sich verändert hat und dass wir moderner geworden sind. disana ist frischer geworden und wir, die zweite Generation bei disana, schaut nach vorne. Wenn Ihnen das neue Logo gefallen hat, dann freut mich das sehr.

LISCHKA: Was ich mich schon immer gefragt habe: Wofür steht der Name disana? Ist es eine Abkürzung oder ein Synonym für etwas?

SAUTTER: Das ist eigentlich sehr einfach: Es steht vor allem für die Initialen meiner Eltern. Dieter und Imma Sautter Naturtextilien ergab eben d-i-sa-na.

Das darin auch noch die Göttin der Heilkunst, Disana, vorkommt, war ein angenehmer Nebeneffekt. Ich bin für diesen Namen aber sehr dankbar, da er sich auch im internationalen Kontext gut eignet, da er in vielen Sprachen einfach auszusprechen ist. Wir wissen aber auch wie kostbar ein solcher Name und das Logo ist und daher sind wir entsprechend vorsichtig bei der Überarbeitung gewesen. Trotzdem kann ich nicht verhehlen, dass es Proteste aus der älteren Generation gab. So war meine Mutter strickt dagegen, einen Strich beim ‚d’ abzuschneiden. So meinte sie, als ihr gar nichts mehr gegen das neue Logo einfiel: „Das ‚d’ steht für meinen Dieter und an meinem Dieter schneidet niemand irgendwo etwas ab“.

LISCHKA: Das ist ja eine spannende Geschichte dahinter. Jetzt haben wir über 2017 geredet. Wie geht es mit disana weiter? Wie sieht disana in Ihrem Kopf 2020 aus? Wovon träumen Sie?

SAUTTER: Also in 2020 hat der Chef vor seiner neuen Produktionshalle endlich einen eigenen Parkplatz und da steht idealerweise ein Tesla Modell S drauf (lacht). Ansonsten hoffe ich wirklich sehr, dass wir auch 2020 erfolgreich auf dem Markt aktiv sein werden. Oberste Priorität haben für mich als schwäbischer Unternehmer unsere Mitarbeiter. Ich hoffe, dass wir Ihnen auch dann einen sicheren und guten Arbeitsplatz bieten können. Einen, wo sie gerne hingehen und wo die Arbeit Spaß macht. Ich hoffe, dass wir unseren Kunden weiter Artikel anbieten können, die ihnen Freude bereiten und in denen sich die Kinder wohlfühlen.

Natürlich hat auch das Geld bei uns eine gewisse Priorität, denn unterm Strich müssen wir alle davon leben. Bei uns stehen im Moment die Auslandsmärkte sehr im Fokus. disana ist bereits heute sehr stark exportorientiert. Wir merken, dass in immer mehr Ländern Naturtextilien interessant werden. Besonders Skandinavien, England, Kanada und die USA sind da zur Zeit aufstrebende Märkte, was Naturtextilien angeht.

Wir wollen auf jeden Fall wachsen und da spielen diese Länder eine große Rolle.

LISCHKA: Das klingt alles sehr spannend. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Glück auf dem weiteren Weg und bedanke mich für das Interview und die vielen interessanten Hintergründe über disana.

SAUTTER: Ich danke Ihnen.


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